Bezirksverband der Kleingärtner Reinickendorf e. V.

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Verfasst am 07.07.2021 um 10:05 Uhr

Das große Krabbeln im Garten    

Gartenfreunde können bei der Käfersuche der Stiftung Naturschutz Berlin mitmachen    

Stolperkäfer. Foto: Beentree*, Wikimedia Commons

Manche tragen ein „Geweih“, einige schießen mit kochender Säure und andere sind Glücksbringer oder leuchten gar im Dunkeln. Die Rede ist von den Käfern. Sie haben eines gemein: einen harten Außenpanzer, einen Kopf mit Fühlern, dazu zwei Flügeldecken zum Schutz und zwei Flügel zum Fliegen. Und sie gehören zu der artenreichsten Tiergruppe der Welt, sie bilden etwa ein Drittel der Insekten. In Mitteleuropa gibt es etwa 8000 Käferarten, die sich in Lebensweise, Nahrung und Aussehen stark unterscheiden. Über die Hälfte dieser Arten ist noch in Berlin und Brandenburg zu Hause.


Käfer beobachten
Käfer gibt es überall – zum Beispiel im Wasser, in Laubstreu, Aas oder Holz. Etliche Käferarten lassen sich ganz bequem an Pflanzen oder von der Gartenbank aus beobachten. Für andere muss man erst im Mist wühlen, um sie zu finden.

Erst schlüpft eine Larve aus dem Ei. Sie wächst und häutet sich regelmäßig und sieht dennoch einem Käfer noch nicht ähnlich. Käferlarven sehen je nach Art sehr unterschiedlich aus und man findet sie häufig unweit von ihrer Nahrungsquelle. Zum Beispiel ist eine Marienkäferlarve oft in der Nähe einer Blattlauskolonie zu finden.
Die Larven des Nashorn- oder Rosenkäfers heißen Engerlinge. Sie leben gerne im Komposthaufen, wo sie sich einige Jahre lang durch die toten Pflanzenreste futtern. Beide Arten werden geschont, wenn der Kompost vorsichtig und erst ab Mitte Mai umgesetzt wird.


Die Verwandlung zum ausgewachsenen, geschlechtsreifen Tier beginnt erst, wenn die Larve sich verpuppt. In dieser Phase wird der bisherige Larvenkörper grundlegend zum fertigen Käfer umstrukturiert. Einmal geschlüpft, wächst der Käfer nicht mehr.

Marienkäferlarve vertilgt Blattlaus. 

Foto (Ausschnitt) : Alice Kracht

Vom Allesfresser bis zum Gourmet

Manche Käfer sind Nahrungsspezialisten, manche Allesfresser. Der Kartoffelkäfer isst gerne Blätter der Kartoffelpflanze, lässt aber auch Blätter anderer Nachtschattengewächse wie Tomaten, Paprika oder Auberginen nicht liegen. Der Behaarte Schnellläufer dagegen hat es nur auf die kleinen gelben Nüsschen auf der Erdbeere abgesehen. Die Dung- und Mistkäfer sowie Aaskäfer sorgen dafür, dass Kot und Aas abgebaut und wieder dem Nährstoffkreislauf der Natur zugeführt werden. Der Bücherwurm oder auch Brotkäfer genannt, frisst so gut wie alles und lässt nur Stein, Metall und Plastik liegen.


Durch die unterschiedlichen Ernährungsweisen übernehmen Käferarten besondere Aufgaben in der Natur. Für ein intaktes Ökosystem ist vor allem die Vielfalt an Organismen und Arten entscheidend. Ist das Gleichgewicht allerdings erst einmal gestört, dann sind Massenvorkommen einzelner Arten, wie beispielsweise die „Borkenkäferplage“, vorprogrammiert.


Käfer im Garten
Die Natur unterscheidet nicht in gute oder schlechte Käferarten. Die Menschen aber haben Marienkäfer, Laufkäfer und weitere Arten in ihren Gärten zu „Nützlingen“ erklärt. Andere jedoch zu „Schädlingen“ abgestempelt. Einen guten Ruf hat, wer mit Vorliebe ungeliebte Blattläuse oder andere „Schädlinge“ vertilgt. Glühwürmchen sind Leuchtkäfer und ihre Larven machen Jagd auf Schnecken. Sie folgen den Schleimspuren und lähmen ihre Beute mit Gift. Sollte sich eine rechtzeitig in ihr Gehäuse zurückgezogen haben, setzt sich die Käferlarve darauf und wartet auf ihre Chance. Das Leuchten der Glühwürmchen ist übrigens eine chemische Reaktion, bei der ein Stoffnamens Luciferin mit Sauerstoff reagiert und so ein grünliches Licht entsteht.

Ein käferfreundlicher Garten verzichtet auf chemische Pflanzenschutzmittel. Der Garten wird damit für prachtvolle Käfer attraktiver. Er kommt aber auch zahlreichen anderen Insekten wie Hummeln oder Schmetterlingen zugute. Auch mit einer Vielfalt an heimischen Pflanzen und Strukturen wie Biotopholz kann man es Käfern „behaglicher“ gestalten. So dient ein liegengelassener und ungestörter Laub- oder Komposthaufen vielen als Rückzugsort.

Käfer melden
Gartenfreunde können bei der Käferpirsch der Stiftung Naturschutz Berlin mitmachen. Acht markante Arten wie Feldmaikäfer und Nashornkäfer sollen in Berlin dokumentiert werden. Die Stiftung bittet um Meldungen und Fotos, die hier auf dem Internetportal eingegeben werden können: www.artenfinderberlin.de/kaefer. Wer einen anderen Käfer gefunden hat und wissen will, wie er heißt, macht ebenfalls ein Foto und lässt sich im Artenfinder Berlin von den Käferexperten der Stiftung bei der Bestimmung unterstützen.


Alice Kracht, Stiftung Naturschutz Berlin



Dieser Textbeitrag ist in der Verbandszeitschrift ‚Berliner Gartenfreund‘ erschienen (Juli-Ausgabe 2021, Seite 7/27) und mit freundlicher Genehmigung der Stiftung auch hier online.


*Foto Stolperkäfer: Beentree, Wikimedia Commons, GNU Free Documentation License, CC-BY-SA-4.0,3.0,2.5,2.0,1.0